LG Köln Urteil zur Einbindung von Bildern auf Webseiten

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Seit gestern geistern gruselige Gerichtsurteilszitate durch unser Internet. Es geht darum, wie man Bilddateien einbinden und kennzeichnen muss, um rechtskräftigen Abmahnungen zu entgehen.


Update 06.02.2014: die anfängliche Hysterie hat sich gestern gelegt und das Urteil ist nun etwas anders einzuschätzen, als ich im nachfolgenden Artikel beschrieben habe. Die Tipps zur Lizenz- und Urheberkennzeichnung haben nach wie vor volle Gültigkeit. Die Beschreibung des Urteils selbst aber möchte ich kurz um folgende Infos erweitern bzw. korrigieren.

Jemand benutzte Bilder von PIXELIO und zeichnete diese gemäß den Bestimmungen aus. Es wurden der Name des Fotografen und die Bildplattform Pixelio.de im selben Beitrag, in dem auch die Bilder eingebunden wurden, genannt. Allerdings wurden die Bilder auch auf Übersichtsseiten der Artikel (vielleicht Kategorie-Listen, Inhaltsverzeichnis, etc.) verwandt (vielleicht als Thumbnails). Dort gab es keinen Hinweis auf den Fotografen. Das ist vergleichbar, mit der Startseite eines Magazins, oder sogar einer großen Zeitung:

Screenshot der Startseite der Süddeutschen Zeitung

Teasergrafiken der Leitartikel und Vorschaubilder (Thumbnails) werden auf Startseiten und Übersichtsseiten der Themenkategorien nicht um die Lizenzbestimmungen und Urheberinformationen ergänzt: Bedenklich!

Es ist bislang völlig normal gewesen, dass auf den Startseiten von Blogs und Magazinen, sowie in Themensammlungen / Kategorieübersichten Vorschaubilder zu den einzelnen Beiträgen angezeigt werden. Das lockert das Layout auf und gibt dem Leser einen zusätzlichen Anreiz, die jeweiligen Artikel aufzurufen. Laut dem Landesgericht Köln müssen aber auch hier Urheber und Lizenzart (z.B. Copyright, GNU, CC,…) genannt werden.

Dazu bitte ich Euch, den gut geschriebenen Originalbeitrag des in diesem Fall involvierten Rechtsanwalts Herrn Plutte zu lesen. In seinem Beitrag erklärte er, dass selbst eine Stellungnahme von PIXELIO die Richter nicht umstimmen konnte, den Streitwert von mehreren tausend Euro auszusetzen oder zu mindern. Er zeigte außerdem ein Beispiel, bei dem Bilder ebenfalls nicht mit den notwendigen Informationen ausgezeichet werden können, ohne den sichtbaren Inhalt des Bildes zu verändern: nämlich, wenn man eine Grafikdatei direkt im Browser aufruft (dazu ein Beispiel unten). Diese Ausführung von Herrn Plutte führte dazu, dass sich die Thematik in der letzten Woche wie ein Laubfeuer ausbreitete. Doch wie ich das verstanden habe, geht es jetzt eigentlich doch eher um die Auszeichnung der Bilder auf Übersichtsseiten, wie einer Homepage oder Kategorien.

Update Ende – ab hier beginnt der Originalbeitrag von vor einigen Tagen!

Doch der Reihe nach. Zuerst möchte ich kurz erklären, was das Landesgericht Köln im Urteil AZ 14 O 427/13 festgestellt hat. Der Urheber eines Bildes muss beim Bild genannt werden. Ein Bild darf nicht ohne einen Hinweis auf den Urheber für Nutzer zugänglich sein. Bisher war es okay, wenn man unter dem Bild oder am Ende des Textes einen Hinweis auf den Fotografen und gegebenenfalls die Art der Bildlizenz (z.B. Creative Commons) dazu schrieb, also als plain text:

CopyRight - All Rights Reserved.

CopyRight – All Rights Reserved. (CC-BY Sean MacEntee @flickr)

Naja, so ungefähr. Man könnte jetzt noch die Bilddatei im Quelltext mit Microformats oder RDF (Beispiel) auszeichnen, so dass auch Maschinen auslesen können, ob das Bild verbreitet werden darf und falls ja, mit welchen Lizensierungsregelungen. Doch das ist nach dem Urteil des LG Köln gar nicht mehr ausreichend. Lässt sich der Seitenbesucher nämlich einfach die Bilddatei einzeln anzeigen (*rechtsklick* > „Grafik anzeigen“), steht es frei und es gibt keinen Hinweis mehr auf Urheber und Lizenz: http://seouxindianer.de/blog/wp-content/uploads/2014/02/copyright-all-rights-reserved-replication-disallowance.jpg. Und diese Möglichkeit hat offensichtlich zu einem Gerichtsverfahren geführt.

angepisster Duffy Duck

SEWIOUS?

Damit das nicht möglich ist, müsste man den Hinweis auf den Schöpfer grafisch im Bild positionieren. Das stört allerdings oft die Ästhetik des Bildes (besonders bei Headergrafiken, auf Landingpages oder auf Schaubildern). Außerdem widerspricht das nicht selten auch den Lizenzbedingungen, die jegliche Veränderung des Bildes verbieten. Man kann sich natürlich mit dem Urheber gerichtlich auseinandersetzen, ob das Hinzufügen eines Rahmens mit seinem Namen darin eine solche verbotene Veränderung des Bildes ist, oder nicht.

Screenshot des CopyRight Bildes mit Urhebernennung

So, damit wäre alles okay. Und wenn man sich eine Routine schreibt, die beim Upload eines Bildes ins CMS immer eine neue Datei mit den angegebenen Lizenzhinweisen darunter erstellt, macht es auch nicht mehr Arbeit. Doch wie gesagt, ist das nicht immer gestattet.

Lösungsansätze

Wie Peter Wilhelm vom Bestatter Weblog vorschlug, sollte man nun am besten nur noch selbst erstellte Bilder benutzen. Also mit der Kamera alle Fotos selbst knipsen.

1. Urhebernennung in Dateinamen integrieren

Das ist wohl die leichteste Methode, den Urheber einer Datei zu nennen, selbst wenn die Grafik frei im Browser angezeigt wird. Man benennt die Grafik nicht nur mit einem den Inhalt beschreibenden Dateinamen, sondern erweitert diesen auch um den Namen des Rechteinhabers. Mein Beispielbild von oben könnte dann so heißen: copyright-all-rights-reserved-replication-disallowance-CC-BY-Sean_MacEntee-flickr.jpg.

2. Rechte Maustaste sperren

Auch könnte man den Rechtsklick per JavaScript verbieten:
<script type="text/javascript">
function click (e) {
if (!e)
e = window.event;
if ((e.type && e.type == "contextmenu") || (e.button && e.button == 2) || (e.which && e.which == 3)) {
if (window.opera)
window.alert("Sorry: Diese Funktion ist deaktiviert.");
return false;
}
}
if (document.layers)
document.captureEvents(Event.MOUSEDOWN);
document.onmousedown = click;
document.oncontextmenu = click;
</script>

Quelle: SelfHTML

Das kann allerdings umgangen werden, zum Beispiel, wenn man JavaScript deaktivert. Jetzt wäre der nächste Schritt vom Seitenbetreiber, dass das Bild gar nicht erst angezeigt würde, wenn im Browser JavaScript deaktivert ist. Zudem greift das Script nicht bei Fingertippern auf Tablets und Smartphones und Smartlets und wie die Dinger heute alle heißen. Ich persönlich finde es außerdem frech, die Rechte Maustaste zu sperren, da man auf Seiten ja eventuell auch andere Kontextmenüfunktionen nutzen möchte. Stichwort Nutzerfreundlichkeit.

3. Redirect für Bilddateien (jpg, gif, png)

Auch möglich, wäre es alle Bilddateien auf eine zusätzliche Unterseite weiterleiten zu lassen, wenn man versucht sie aufzurufen. Das macht eine von diesen sehr bekannten und gut besuchten Image Upload Seiten. Mir fällt leider der Name nicht ein, darum wäre ich für Kommentare dankbar, wenn es jemand gerade weiß. Bei denen ist es jedenfalls nicht möglich, sich das Bild einzeln anzeigen zu lassen. Bei flickr habe ich das auch schon gesehen.

4. Bilder mit durchsichtiger Grafik (blank.gif) überlagern

Sehr häufig sieht man inzwischen die Methode, alle Bilder mit einer durchsichtigen Grafik zu überlagen. Die Datei ist meistens ein GIF der Größe 1px x 1px, das per JavaScript (ja, leider wieder nicht eindeutig sicher) nach rechts und nach unten wiederholt über den angezeigten Bilder platziert wird. David Walsh hat dafür zwei Frameworks kostenlos zur Verfügung gestellt: MooTools 1.2 Image Protector & dwImageProtector Plugin. Es gibt zudem ein wirklich gutes WordPress Plugin von einem Japaner: WordPress Image Protector bzw direkt bei WordPress.org. Auf der zuerst verlinkten Webseite findet Ihr auch live Beispiele.

5. Grafikdateien durch Flash (.swf) ersetzen

Oh ja, nicht nur Text kann mit Flash durch Bilder ersetzt werden, um zum Beispiel eigene odere seltene Schriftarten für alle Besucher darstellbar zu machen. Auch Bilder können mit Flash ersetzt werden. Das verhindert ebenfalls den Diebstahl von geschützen Dateien. Dazu gibt es eine ausgesprochen umfangreiche Webseite: swfir.com.

6. Text in Bild als Wasserzeichen einfügen

Wie oben schon erwähnt kann diese Methode zwar verhindern, dass man gegen das Urteil des LG Köln verstößt, aber ein anderer Grund für eine gerechtfertigte Abmahnung sein. Nämlich, wenn der Urheber des Bildes das Hinzufügen eines Wasserzeichens als unrechtmäßige Veränderung seines Werkes ansieht. Dennoch möchte ich die Möglichkeit nicht ungenannt lassen.

6.1 Wasserzeichen manuell und halbautomatisch einfügen

Zum Einfügen von Wasserzeichen kann man GIMP, ACDSee, Photoshop oder jedes andere Bildbearbeitungsprogramm mit Stapelverarbeitung benutzen. Es gibt aber auch online bequeme Services wie watermarktool und picmarkr.

6.2 Wasserzeichen serverseitig in Grafik einfügen lassen

Aber auch serverseitig lassen sich Wasserzeichen in die hochgeladenen Bilder und Grafiken einfügen. Das läuft zum Beispiel mit „einfachem“ PHP. Scripte gibt es von Asido, PHPjabbers und sitepoint. Speziell für WordPress gibt es im Plugin Vault gleich mehrere Lösungen, um Eure hochgeladenen Bilder automatisch mit Wasserzeichen zu versehen. Und wer ASP.net verwenden muss, wird bei DMX.zone, Donn Felker und ImageComponent fündig. Auch für Ruby habe ich eine Ressource: RMagick. Naja und ansonsten: Let me google it for you 😉

So zeichnet man PIXELIO Bilder korrekt aus:

PIXELIO verlangt in Punkt IV. des Lizenzvertrags für redaktionelle Inhalte die Auszeichnung wenn möglich am Bild selbst oder am Seitenende JEDER Seite, auf der das Bild verwendet wird mit der Angabe des Fotografen und der Plattform PIXELIO selbst in dieser Form: © Fotografenname / PIXELIO

Fazit

Schöne neue Welt. Bin gespannt, ob es 2014 Veröffentlichungen zu tatsächlich stattfindenden Abmahnungen geben wird, die sich auf das LG Urteil AZ 14 O 427/13 berufen. Ich installiere gleich einmal das WordPress Plugin, das ich oben genannt habe, um meine Bilder und damit mich selbst zu schützen. Ich weiß, es ist nicht ausreichend, einfach die rechte Maustaste zu sperren oder blank.gifs über Bilder zu legen. Aber wenn ein Urheber so doof ist, wegen eigenständig aufrufbaren Bildern zu klagen, dann unterstelle ich ihm auch genug Doofheit, bei diesen beiden einfachen Schutzmaßnahmen aufzugeben und es gut sein zu lassen. 😉

Wenn Ihr mehr dazu lesen wollt, dann schaut beim Bestatter Weblog (am Anfang meines Artikels verlinkt) rein, oder bei einem Kommentar der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke, sowie beim Bilder-SEO Martin.

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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