Eigene Suchmaschine für jeden?

 352 Mal gelesen

Gerade habe ich bei SEO-United.de den Artikel vom Mittwoch Vormittag gelesen, in dem Ossi Urchs leider viel zu wenig über das WWW der Zukunft erzählt. Gerade finde ich den Punkt 11 am attraktivsten, um mir eine Auszeit zu gönnen (ist ja immerhin schon halb 1) und ein bisschen zu fantasieren. Urchs spricht davon, dass in zehn Jahren vielleicht jeder seine eigenen Webcrawler ins Netz entsendet um personalisierte Suchergebnisse zusammenzusammeln und die zentrale Suchmaschine für die Masse keinen mehr juckt.
Wie ist das, 2019, ein Jahr vor der Zwei Null Zwei Null?

Vorteile, Vorraussetzungen und Nachteile einer individuell organisierten Search Engine für wirklich jeden auf der ganzen Welt.

Jetzt einmal nur auf das Internet bezogen und eventuelle Kriege hervorgerufen durch Wirtschaftskriesen und Angst vor stärker werdenden Ostasiatischen Ländern mal ganz bei Seite gelassen.. wie surfen wir 2019?

Was sind die Vorteile, welche Voraussetzungen müssen geschaffen vorhanden sein und welche Nachteile gibt es für Verbraucher, Firmen und SEOs?

Vorteile einer persönlichen Suchmaschine

Über die Vorteile einer eigenen Suchmaschine, also einem personalisierten Webcrawldienst nachzudenken macht mir richtig Spaß. Musst Du auch grinsen, wenn Du daran denkst, dass Du gerade einen Geschäftstermin in einer fremden Stadt hattest und noch Zeit bis zum Heimflug hast? Du streifst durch die vollen Straßen mit allen möglichen Leuten und hast plötzlich Lust auf eine Butterbreze, oder einen Schallplattenladen (Vinyl) oder auf einen großen Comic-Store, ooooder irgendwas mit Technik… Aber natürlich soll es nicht irgendein Laden sein, sondern einer, in dem Du auch genau die Befriedigung findest, nach der Du suchst. Du willst ja nicht umsonst in der fremden Stadt rumlaufen. Du befragst über Dein Miniheadset oder das Aufklebemikrofon unterm Kinn Deine persönliche Search Engine.

Sie begleitet Dich seit 2 Jahren und ist mit dem allgegenwärtigen wireless Internet verbunden. Dein persönlicher 100 Terabyte Space hat die wichtigsten Assoziationen der letzten 2 Jahre katalogisiert. Aus Deiner Stimme errechnet das Programm Deine Stimmung und ranked die Begriffe schnell neu. Auf Deine Suchanfrage nach dem besonderen Comic Store mit zwar kleiner Auswahl aber dafür seltenen Stücken und vor allem auch Sammlerfiguren und einer coolen Perscheid Postkarte für den Kumpel daheim, stellt die Suchmaschine ausnahmsweise keine Rückfrage. Denn Sie hat bereits einen Laden in der Nähe. Du bekommst das Angebot, einen Live-Webcam-Besuch im Laden auf Deine Monitorbrille übertragen zu bekommen. Du sagst ab und entscheidest Dich, auf dem Weg dahin etwas zu essen, aber weißt nicht was.

Die Suchmaschine weiß, was Du gerne magst und weiß auch ganz genau, welche Besonderheiten es in Deiner Heimatstadt gibt. Weil Du Deine Lieblingsgerichte daheim schon bekommst, schätzt Sie anhand Deiner Stimmung und der Zutaten Deiner Leibgerichte für die aktuelle Stimmung plus Dein aktuelles Risikipotenzial in der neuen Stadt ab, was Dir schmecken könnte und empfiehlt Dir etwas Indisches in einem Restaurant. Perfekt auf dem Weg zum Comicladen.

Individualität – Die größte Stärke

Die Persönliche Suchmaschine lernt selbst und lässt sich von Dir erweitern, beschneiden und ermöglicht situationsbedingte Filter. Durch offenen Programmcode kannst Du auch ohne Programmierkenntnisse mit den vielen Tools die es zur Modifikation von OS-Programmen gibt, schnell eine Verbindung zu Deinem Kühlschrank, Deinem Badezimmerschrank, Deiner Musiksoftware und sonstigen Programmen herstellen. Natürlich schmeißt Du bei der Gelegenheit auch gleich ein kleines Programm rein, das immer eine angenehme Stimme für die Sprachausgabe simuliert, ganz darauf abgestimmt, wie Du gerade drauf bist.

Setze ein Häkchen bei “Selbstständig Vorschlagen”, wenn Du willst, dass Du unterwegs oder bei der Arbeit ungefragt mit Hilfen und Tipps versorgt wirst. Dann poppen Verkehrsmeldungen, Problemlösungen oder Songempfehlungen für Deinen Live-Soundtrack der Dich immer begleitet, auf. Und dass Du Deinen Organizer mit der Suchmaschine gekoppelt hast, ist sowieso eine Klasse Idee gewesen, denn jetzt wirst Du nicht nur an irgendwelche Termine erinnert, sondern bekommst auch zusätzliche Informationen in allen Möglichen Denkrichtungen dazu, immer passend zu Deinem persönlichen Geschmack und zu Deinen Interessen.

Voraussetzungen für die private Suchmaschine

Oh ja, hier könnte man eine ganze Menge aufzählen. Ich weiß aber, dass gerade den technischen Teil betreffend Du oder Du vielleicht wesentlich mehr unter diese Überschrift schreiben könntest. Wäre wirklich nett, wenn Du mir jetzt ein paar Vergesser oder Nichtwisser nachsiehst und einfach als Kommentar ergänzt, was hier unbedingt noch her sollte, damit das Projekt ein Erfolg wird.

Ich habe mir überlegt, dass eine persönliche Suchmaschine natürlich einen eigenen Suchroboter, also eine eigene Spider / einenen eigenen Crawler benötigt. Klar, am besten eine ganze virtuelle Armee von Suchspinnen, die laufend im gigantischen WWW unterwegs sind und Inhalte sammeln. Und irgendwo müssen die Inhalte dann ausgewertet, gelöscht oder archiviert werden. Also braucht man einen gigantischen Speicher. Man sieht schon, irgendwie muss alles gigantisch sein.

Eine andere Möglichkeit wäre eine private Meta-Suchmaschine, aber darauf will ich gar nicht eingehen. Hoffen wir einfach, Speichermedien werden so super günstig und haben eine so lange Lebensdauer, dass einige hundert TB für Privatpersonen kein Problem darstellen.

Ah ich bin zwei Schritte zu weit. Woher kommt denn das Programm? Jemand muss ein Programm programmieren, das Privatpersonen und Firmen erwerben oder kostenlos erhalten können, um damit das Web zu durchsuchen. Was heute von Google, Yahoo, Ask, Aidu, Melzoo, Cuil und vielen vielen weiteren hervorragenden Suchmaschiinen erledigt wird, muss einmal für jede Person erhältlich sein. Natürlich Open Source, also mit der Berechtigung und Möglichkeit, das Programm nach eigenen Bedürfnissen umzuschreiben, zu erweitern und mit anderen Applikationen zu verschmelzen, damit die Suchmaschine mit mehr Daten zu Deiner Persönlichkeit gefüttert werden kann.

Das Programm entwickelt am besten jemand, der die Anforderungen an eine Suchmaschine richtig gut kennt. Ich schlage einfach mal ganz frech Google vor, denn die haben nicht nur einen riesigen Index angelegt, sondern kümmern sich auch laufend um die Auswertung von Nutzerdaten und genau davon ist ein passendes Ergebnis meiner privaten Meinung nach abhängig.

Jedenfalls ist der Entwickler so einer Software ein Held, ganz gleich wie erfolgreich das Programm Suchergebnisse umsetzt. Solang es Open Source ist und viele schlaue Köpfe verfeinern, verbessern und perfektionieren können, wird daraus ein Erfolg. Sorry, aber ich bin ein Fan von Freier Software. ;)

Eine essentielle Voraussetzung für die private Suchmaschine die einen auf Schritt und Tritt begleiten und damit auch das Leben ein gutes Stück einfacher (oder einfach nur lustiger) machen soll, ist überall verfügbares W-LAN. Immer mit dem Internet in Verbindung zu stehen ist natürlich wichtig für die Suchmaschine, damit sie das WWW und eventuell auch die Mailbox und alle weiteren Internet-Dienste nach relevanten Hilfen bei der Problemlösung durchforsten kann. Keine Connection, kein Content.

Hm, natürlich ist es auch wichtig, dass es keine Zensur gibt. Sonst könnte der Staat oder die Weltregierung (in 10 Jahren? ;)) einfach ein dickes PDF rausgeben mit den “Wichtigsten Hinweisen für einen geregelten Alltag”.

So und damit komme ich wahrscheinlich viel zu vorschnell zu

Nachteile der privaten Search Engine

Oh wow, was könnte man da als erstes anbringen? Vielleicht die Gefahr des Datenklaus. Was braucht die persönliche Suchmaschine gleich noch einmal um perfekte Ergebnisse auf uns zugeschnitten auszugeben? Natürlich Informationen über uns und unsere Persönlichkeit in Hülle und Fülle. Die Suchmaschine muss wissen, welche Allergien wir haben, damit sie nicht das falsche Restaurant oder das falsche Rezept empfiehlt und wir nen dicken Hals bekommen von den Erdnüsschen in der Pesto.

Die personalisierte Suchmaschine ist sozusagen ein abstraktes Abbild des eigenen Geschmacks, gefiltert durch alle gesundheitlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen denen wir unterliegen müssen oder wollen und angereichert durch die individuelle Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Unsere Ansichten was Politik, Moral und alles andere betrifft, fließen im Optimalfall mit in die Kalkulation der Ergebnisrelevanz ein.

Wer diese Datensammlung in die Finger bekommt kann nicht nur perfekt abgestimmte Werbeprospekte in unseren Briefkasten werfen… ;)

SEO und die private Suche

Naja, wenn die private Suchmaschine eigenen Filtern  unterliegt können SEOs die Seiten nicht mehr für eine breite Masse optimieren. Im Moment haben wir es leicht, weil wir (gehässig ausgedrückt) nur für eine einzige Suchmaschine optimieren müssen. Du weißt schon welche ;) ^^

Wenn jeder Mensch auf der Welt seine eigenen Spinnchen losschickt und die Ergebnisse nach persönlich gepegelten Algorhythmen sortiert, wächst Suchmaschinenoptimierung notgedrungen enger mit der Psychologie zusammen. Mit der Werbepsychologie und Statistiken über Nutzerverhalten.
Für jedes Produkt das auf unseren Webseiten angeboten wird gibt es eine Zielgruppe. Schon jetzt überlegen wir, welche Suchbegriffe der Verbraucher wohl in den Suchschlitz tippen wird und optimieren dahingehend. Bei regionalen Produkten beziehen wir regional übliche Bezeichnungen mit in die Optimierung ein. Das wird in 10 Jahren ganz normal sein. Dann benötigt eine Seite 100 oder gar 400 verschiedene Versionen, was Formulierung, inhaltliche Aufbereitung und Strukturierung, sowie Design betrifft. Denn die Suchmaschine der Zukunft achtet auch auf Design, erkennt die Farben einer Webseite und vergleicht sie mit den Vorlieben des Nutzers.

SEO in der Zukunft wird meiner Meinung nach zu über 50% aus Statistiken heraus gelenkt, ganz einfach um Arbeit zu ersparen. Die allgemeine Nutzung der unterschiedlichen Webangebote wird ausgewertet, wie jetzt auch und dadurch werden Schnittmengen und Durchschnittsnutzerprofile erstellt, an denen man sich orientiert. Das ist jetzt schon unter dem Begriff Usability bekannt, aber eben mit nur ungefähr 50 Regeln, die es zu befolgen gibt. In Zukunft werden das unzählbar viele sein.

Auch der Verbraucher erfährt Nachteile

Schon heute hört man immer wieder von Datenraub. Hier und dort werden Firmen um Ihre Datensätze der registrierten Nutzer bestohlen, weil sich jemand von den gewonnenen Informationen Chancen auf Umsatz verspricht.

Wenn in Zukunft die Individualität zunimmt, wird es laufend zu Versuchen kommen, jeden einzelnen auszuspionieren. Perfekt angelegte Persönlichkeitsprofile in den Datenbanken der privaten Ein-Mann-Suchmaschinen entwickeln sich zu den wichtigsten Zielen für Datenräuber, denn hier liegen die Informationen die der Markt für die Gestaltung seiner Angebote benötigt. Und Krankenversicherungen sind natürlich auch hellauf begeistert, wenn Sie von ihren kostspieligsten Versicherten etwas mehr über deren vielleicht der Gesundheit abträglichen Lebensweise in Erfahrung bringen können.

Für das eigene Websuche-Programm ist man der gläserne Mensch, wenn man es darauf anlegt, perfekt abgestimmte Suchergebnisse zu bekommen. Aber man muss immer bedenken, dass alles, was ein Mensch programmiert und abdichtet, auch ein anderer Mensch entschlüsseln und öffnen kann, um Unfug zu treiben. Wie weit man die Suchmaschine in sein Leben reinlässt, um die persönlichen SERPs zu optimieren, wird dann wohl vielen Kopfzerbrechen bereiten und die Diskussionen zwischen penetranten Befürwortern und fanatischen Opportunisten sind meiner Meinung nach ebenfalls ein schlimmer Nachteil auf den wir uns gefasst machen müssen. ;)

Was meinst Du? Könnte das so hinkommen, oder glaubst Du, jemand (Tante G?) lenkt das ganze in eine andere Richtung? Oder schiebt der Staat durch Datenschutzregelungen sowieso einen Riegel vor? Und wie fändest Du eine personalisierte Suchmaschine für jeden Menschen auf der Welt?

Gleich teilen:

  • Twitter
  • Google Plus
  • Facebook
  • LinkedIn
  • Email
  • RSS


+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

Advertisement

EmailEmail