Schema.org Microdata Implementierung

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Microdata ist der Begriff für die Auszeichnung von allen möglichen Inhalten auf Webseiten mit zusätzlichen Informationen. Das können Hinweise zur Art der Information sein oder zu Eigenschaften, die von Maschinen nicht verstanden werden können. Klingt abstrakt? Ich weiß, ist aber wichtiges Wissen, wenn man die Verbreitung seiner Inhalte fördern und für zukünftige Anzeigentechniken fördern möchte, um Besuche abzugreifen.

Mit Microdata kann man zum Beispiel Google mitteilen, dass es sich beim Inhalt um ein Kochrezept handelt, bestehend aus Name des Rezepts, Zutatenliste, Vorbereitungszeit, Backzeit, Kalorien, dafür erhaltene Auszeichnungen, Leserbewertungen, und vieles mehr. Und wozu die Arbeit?

Weil in Suchergebnissen solche speziell beschriebenen Inhalte auch spziell angezeigt werden. Das lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Webseite, statt auf „normale“ andere Webseiten. Und der Suchmaschinennutzer fühlt sich von der Informationsfülle und Detailiertheit mit hoher Wahrscheinlichkeit schon befriedigt, denkt, er sei fündig geworden und besucht eher die Webseite, die schon bei Google mehr Infos offeriert, als andere.

Suchergebnisliste von google.com zu Rezepten

Google zeigt viele Details zu Kochrezepten in den Suchergebnislisten an. Da die Daten strukturiert auszulesen waren, ist es Google sogar möglich, weitere Suchoptionen wie etwa Zutaten oder Backzeiten anzubieten. Nutzer können so weiter filtern.

Aber nicht nur Google verwendet semantisch ausgezeichneten Content und verarbeitet ihn in besonderer Darstellung weiter. Auch andere Onlineservices lesen bereits solche „unsichtbaren“ Ergänzungen aus und bereiten die Inhalte in ihren eigenen Portalen, Apps und sonstigen Anwendungen für die eigene Nutzerschaft auf. Noch befindet sich die Weiterverarbeitung in den Kinderschuhen, aber wir wissen doch alle, wie schnell Kinder groß werden. Und hey: wer zieht seine Schützlinge schneller auf, als Google, besonders dann, wenn es für den Suchgiganten ums Geldverdienen geht?

Suchmaschinen empfehlen Schema.org

Google, Microsoft und Yahoo! haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Standard für erweitertes Markup aufzubauen. Es gab ja bereits die sogenannten Microformats vom W3C (world wide web consortium). Das System scheint den Suchmaschinen aber zu starr zu sein und auch nicht rapide genug in seiner Weiterentwicklung. Daher haben sie unter schema.org eine Infoseite über ihr eigenes, unterstütztes System hochgezogen. Neben den 2009 eingeführten Sternchenbewertungen (Thema: Rich Snippets) findet man auf schema.org momentan Auszeichnungsvorschläge für diese Inhalte:

  • Kreative Arbeiten
    • Buch
    • Rezept
    • Film
    • Musik-Liederliste (Playlist)
    • Gemälde
    • Fernsehserie bzw Folge einer Serie
    • Diät
    • Weblog, Artikel in einem Weblog, Kommentar dazu
    • Code, wie z.B. Softwareapplikation
  • medizinische Inhalte
    • medizinische Richtlinien
    • medizinische Gerätschaft
    • medizinische Vorgehensweise bzw. Behandlung
    • Anzeichen und Symptome
    • Studie
  • Events
    • Sportveranstaltung
    • Musikveranstaltung / Konzert
    • Tanzveranstaltung
    • Festival
    • Theater, Comedyauftritt
    • Geschäftstreffen
  • Produkt
  • Person
  • Lokalität

Und das sind sogar noch nicht einmal alle Spezifikationen und Sonderfälle. Momentan sind vor allem Bewertungen (Reviews), Rezepte, Lokalitäten und Veranstaltungen in Google’s Suchergebnislisten besonders hervorgehoben durch Zusatzinformationen und Visualisierungen. Google testet übrigens gerade den Wechsel von roten statt gelben Sternen. Gelbe Sterne sind sicher schöner und Sterne sind ja nunmal „gelb“. Aber die rote Farbe passt zum einen besser ins Google Layout und auch zu Zagat. 😉

Anleitung und Mini FAQ zur Implementierung

Auf der diesjährigen Search Marketing Expo in München sprach Timon Deluxe über den Einbau der speziellen Auszeichnung. Als Mr. Technical SEO genau der richtige Typ für sowas. Sind auch Katzenbilder in der Präsi. 😉

Automatisches „Auszeichnen“ mit Google Data Highlighter

In der Präsentation erwähnt Timon übrigens das Data Highlighter Tool von Google. Damit lassen sich per Mausklick einzelne Bereiche der Webseite auswählen und als dieses oder jenes definieren. Statt also viel Code in die Webseite zu zimmern, um eine Nutzerbewertung mit Kommentar als solche auszuweisen, kann man es Google auch einfach „sagen“. Gerade bei umfangreicheren Informationen ist diese Variante allerdings mehr als dürftig und ersetzt die Fleißarbeit Eures Webentwicklers nicht. Trotzdem hier ein kleines Einführungsvideo zum Data Highlighter von Google.

Schema.org Microdata vs W3C Microformats

Wer sich bereits etwas auskennt und die Diskussion über das zu verwendende Format noch nicht leid ist, der kann mal einen längeren englischen Post über Pros und Kontras von Schema.org Microdata im Vergleich zu den bekannten Microformats studieren. Die Webdesignerin Emily Lewis hat in der Mitte des Artikels technische Gedanken notiert. Ein Zitat von Google fand ich besonders teilenswert:

Wenn Sie bereits Daten auf Ihrer Webseite mit RDFa oder Microformats ausgezeichnet haben, fahren Sie damit fort. Wir unterstützen beide System weiterhin. Vermeiden Sie allerdings, zwei oder mehr Systeme auf der gleichen Seite einzusetzen, da unsere Parser sonst Fehler beim Auslesen machen könnten!

Ich persönlich empfehle Seitenbetreibern auf Schema.org Microdata umzusteigen bzw damit anzufagen das Auszeichnungsverfahren zu nutzen. Auch wenn noch nicht viele Umsetzungen der Verarbeitung durch Google, BING, Yahoo! und Yandex in den SERPs zu sehen sind, bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis die organischen Suchergebnisse entsprechend aufgemotzt daherkommen. Und wer dann nachträglich an seine Templates ranmuss, bohrt eventuell ein größeres Loch als er fix wieder stopfen kann.

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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