Website Outsourcing neuer Trend?

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Wozu braucht man eigentlich eine eigene Seite im Internet?

Wenn man eine große Firma ist und weltweite Bekanntheit genießt, ist die Webseite oft gesuchtes Key in den Suchmaschinen. Trotzdem verzichtet eine der wirklich großen Werbeagenturen auf die eigene Webpräsenz und leitet ihre Domain lieber auf die Google-Suche um oder auf Wikipedia.

Nun hat auch der Ableger von Mars, “Skittles” sich dieses merk-würdige Online Marketing Konzept angeeignet. Das Moderne Internet wird durch Web 2.0 auch bei Brand Websites dramatisch verändert.

Website Outsourcing

Ich habe mich nicht informiert ob dieser Online Marketing Fachbegriff schon an andere Inhalte vergeben ist, aber hier finde ich, passt er wie die Faust aufs Auge oder eine Hand voll Skittles in den Mund.

Der bleibt manchen vielleicht offen stehen, die seit dieser Woche auf die Webseite des Süßigkeiten Knallers aus dem Hause MARS surfen.

Ein Disclaimer informiert den Webseitenbesucher darüber, dass hier keine eigenen Inhalte mehr publiziert werden, sondern User Generated Content (= von Nutzern erstellte Inhalte) aus dem ganzen WWW gezeigt werden. Noch eine kleine Abfrage des Geburtsdatums zu Statistikzwecken und dann kann der bunte Surfspaß auf Seiten wie Wikipedia, Flickr und Youtube beginnen.

Der einzige Rest, der von der Webseite übrig geblieben ist, hängt links oben im Browser. Die Navigationsbox lässt den Webseitenbesucher die beliebtesten Plätze im World Wide Web ansteuern, die etwas mit Skittles zu tun haben.

Besonders ausgebaut werden soll der Skittles Twitter Account und das, was andere Microblogger dort über Skittles und Mars schreiben. Hier kamen bereits unangenehme Zwischenfälle mit als Scherz gedachten Tweets (= Twitter-Posts) vor, aber damit habe man schon gerechnet. Es sagte nämlich jemand bei Twitter “skittles gives you aids” (= Skittles verursacht Aids). Aber niemand wird vermuten, dass solche Aussagen der Wahrheit entsprechen.

Neuer Trend ein alter Hut

Der Marketing Gag oder wenn man daran glaubt, die permanente Umorientierung hin zum Web 2.0 auf Vertrauensbasis ist ein relativ alter Hut. “Siteless” (= Seitenlos) heißt die Methode, sich jetzt auf der eigenen Homepage ohne eigene Homepage zu präsentieren.

Die Werbeagentur Modernista! verzichtet seit 2008 auf Ihre Webseite und zeigt auf ihren Seiten ebenfalls nur nutzergenerierte Inhalte.

Für die Automarken Hummer (General Motors) und Cadillac zuständig, war das Unternehmen bereits ordentlich vertreten in web 2.0 Portalen. Die Webseite hat ebenfalls ein kleines Navigationsmenü, das entweder rechts oder links oben angezeigt wird. Damit kann der Seitenbesucher die einzelnen Stellen im Netz ansteuern, die etwas über Modernista! zu sagen haben.

Warum lohnt Website Outsourcing?

Warum und bei wem lohnt sich Website Outsourcing überhaupt? Vor dem Warum ist das “Bei Wem” dran.

Wenn man eine Marke (Brand) bereits aufgebaut hat, gibt es im Netz einige Stellen, die nüchtern oder sogar positiv berichten. Wikipedia ist eine Stelle. Aber auch Bildstrecken zum neuen Automodell einer großen Firma, die Fans bei Flickr eingestellt haben, wären so ein Beispiel.

Füllt das organisch entstandene Web bereits eine ganze Google-Ergebnisseite mit interessanten Inhalten zum eigenen Namen, ist man eigentlich bekannt genug. Das Image entscheidet, denn ein Produkt oder eine Firma ohne Fans kann nicht auf deren Inhalte zurückgreifen. Auch wer momentan durch eigenes Verschulden negative Schlagzeilen macht, kann oder sollte die Möglichkeit der eigenen Webseite nutzen, sich selbst so darzustellen, wie er gerne gesehen würde. Da wäre eine Zusammenfassung der aktuellen Berichterstattung dem Marken Image womöglich abträglich.

Die Transparenz von außerhalb entstandenen Inhalten und Meinungen schafft großes Vertrauen und bestätigt Kunden in ihrer Entscheidung dies oder jenes für sich ausgewählt zu haben. So geht es mir bei Skittles zum Beispiel. Gerade habe ich eine 3 Kilopackung aus Amerika im Nasch-Schrank stehen. Das ist bunter Süßkram von einer Firma, die im Marketing neue Wege beschreitet und sich modern und jung gibt. Dabei fühle ich als Konsument sehr wohl, weil das Image einer Marke immer auch auf die Kunden abfärbt. Der eigene Status kann dadurch angehoben werden.

Wesite Outsourcing lohnt sich also bei Firmen die bereits ein gutes Image genießen und auf ein abwechslungsreiches Portfolio von User Generated Content in den (wichtig!) meistgenutzten Web 2.0 Portalen verweisen können. Dass es Portale wie Youtube, Flickr, die Google Suche und Wikipedia sein müssen ist deshalb so wichtig, weil die Internetnutzer diese Seiten kennen, selbst vielleicht dort angemeldet sind und den bekannten Portalen vertrauen. Ein Link zum XING-Profil vom SEOux Indianer wird eher angeklickt, als ein Link zu meinem Profil bei socialtrak.com. Bei wo? Ja genau. Das kennt niemand und dann sind die dort hinterlegten Informationen auch nicht so attraktiv.

Also warum nochmal ist dieser verrückte Internetmarketingschachzug gewinnbringend?

  • Website Outsourcing lohnt sich weil Onpage Optimierung wegfällt
  • Einsatz von CMS (= Pflege, Aufwand, Kosten) ist unnötig, lediglich eine Navigation und fette iframes
  • Linkbait: wer jetzt noch auf den Zug aufspringt, wird wegen seines Mutes und Kreativität eine neue Internetmarketingstrategie zu verfolgen erwähnt und verlinkt

Die Offenheit und Aufgeschlossenheit zum Web 2.0 kann momentan nur gut tun. Wie sich das in Zukunft entwickelt ist schwer abzusehen. Denn web 2.0 birgt für mich die große Gefahr, dass unparteiische Berichterstattung und qualitative Inhalte seltener werden und man sich außerdem jedes Mal fragen muss, wer hinter dieser oder jener Meinung wirklich steckt. Vertrauen wird in Zukunft immer häufiger auf die Probe gestellt.

Denn wenn ich auf der Webseite von Firma XY lese, dass sie die allerallersuperbeste Nudelsuppe in Dosen vertreibt, dann bin ich von Natur aus skeptisch. Wenn ich das allerdings in Blogs und auf MySpace-Profilen von Kunden lese, dann glaube ich das eigentlich eher. (” Lieblingsessen: Nudelsuppe von XY! Hm, lecker!!!111eineinself “) Aber ob das echte Menschen freiwillig schreiben, oder ob es Bullshit Marketing ist, ..

Schwierig aber spannend, finde ich. Und bei Skittles und Modernista! ist das auch prima gelöst.

Gerade im SEO-Bereich wäre es eine Überlegung wert. Die SEO-Agenturen zeigen auf Ihren Webseiten keine tollen Grafiken von grünen Pfeilen die nach rechts oben blinken, oder wiederholen den Satz “90% der Internetnutzer suchen bei Google!!!”. Sie nennen in der statischen Navigation die Keywords zu den Kundenseiten und zeigen dann die SERPs von Google zu diesen Keys.

Dafür!

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. 2011 und 2014 sprach er auf der Fachkonferenz SEO Campixx.

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