Pin now, read later: Pinsanity

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Pinterest wird wie verrückt genutzt. Vor allem Frauen (anteilig 84% laut Business Insider Intelligence) speichern sich Bilder ab. Durch das anlegen von sogenannten Pinnwänden mit Fotos von Sonnenuntergängen, Klamotten und Katzen, erschaffen die Nutzer/innen sich ein visuelles Abbild ihrer Interessen und Charaktereigenschaften. Pinterest gilt für viele Frauen als ein textloses Profil, das sie stolz anderen zeigen wollen.

Dazu hat Comediva (ironische aber bestärkende Comedy für Frauen) ein Video gedreht, das die virtuelle Sammelsucht vieler Frauen (manche Poweruserinnen haben über 20 Millionen Follower!) ins Real Life projiziert. Das Video zeigt eine junge Frau, die alles, was sie irgendwie gut findet, daheim an ihrer Pinnwand feststeckt. Ob das nun Haarschleifen, Schuhe, Katzen oder sogar Freundinnen sind, ist dabei egal – es wird gepinnt wie verrückt. Daher läuft das Video auch unter dem Namen Pinsanity (Pin + Insanity). Ist am Ende etwas makaber, aber FSK 0 oder 6 und Safe for work. 😉

Pinterest möchte Informationskanal werden

Der bislang kostenlose Service investierte enorme Ausgaben für die Infrastruktur der Server. Wo seit über vier Jahren so viele Fotos gespeichert und abgerufen werden, wie bei Pinterest, müssen die Macher irgendwann ein Monetarisierungsmodell installieren. Doch bislang war das Angebot noch nicht attraktiv genug, um die Nutzer womöglich mit Werbeeinblendungen zu vergraulen. Daher erweitert man jetzt den Service, um andere Arten von Menschen für die Nutzung des Services zu begeistern. Vorwiegend werden aber weiterhin Digital Natives angesprochen, die das Internet mit seinen modernen Cloud und Crowd Möglichkeiten ganz selbstverständlich im Alltag nutzen, um zum Beispiel Informationen zu archivieren.

Seit September 2013 werden gepinnte Artikel aus Blogs oder Onlinezeitschriften in der Voransicht auf der Pinnwand deutlicher als solche dargestellt (englisch). So holt sich Pinterest jetzt auch die Nutzer, die eher Informationen teilen wollen, anstatt lediglich der Bilder aus Artikeln und onlineshops. Damit soll sich die Nutzerschaft vergrößern. Weitere Maßnahmen von Pinterest, um den Dienst für die breite Masse immer attraktiver werden zu lassen:

  • Einfaches Teilen von Webseiten im Browser durch einen Button
  • Widget für Androidgeräte (Tablets und Smartphones)
  • Anzeige von beliebten Bildern im Sperrbildschirm auf Windowsphones.
  • Regelmäßige Tipps zur exzessiven Nutzung (Tagebuchform, HowTo Pinnwände, als Gedankenstütze, für Präsentationen)

Letzterer Punkt geht sogar so weit, dass Pinterest, Lehrer dazu ermutigt, Pinterest zu nutzen und Pinnwände mit Infosammlungen oder Aufgabenreihen mit den Schülern zu teilen. So werden schon ganz junge Menschen Pinterestnutzer und bleiben es wahrscheinlich auch. Hinzu kommen die jungen Eltern und deren Freunde, weil das neue Medium anfangs ja natürlich für großes Interesse sorgen wird.

Erste Tests zur Monetarisierung durch sponsored pins

Pinterest erklärte kürzlich im Blog, dass sie jetzt Werbeanzeigen testen werden. Vereinzelte Pins sind mit einem Hinweis erweitert worden, dass dieser Share kein Share ist, sondern der zielgruppenorientierte Vorschlag von Advertisern. Den Nutzern wurde versprochen, dass die Anzeigen optisch dezent bleiben. Die ersten Varianten sind tatsächlich dezent. Was dem Nutzer als tolles feature verkauft wird, ist aber auch für den Advertiser ein großer Vorteil. Auffällige Werbung würde irgendwann dazu führen, dass die Nutzer sich daran gewöhnen und sie automatisch identifizieren und unbewusst ausblenden können (Bannerblindheit). Unterscheiden sich die Anzeien allerdings fast gar nicht, von regulären Pins, fällt es schwerer und der ein oder andere User klickt womöglich ausverstehen darauf oder teilt es gar mit seinen Freunden.

Pinterest Werbeanzeige

Ein Beispiel für eine Werbeanzeige auf Pinterest

Ich selbst würde Pinterest nur als Archiv für Nachrichten, Anleitungen und read later Posts nutzen. Da ich aber delicious bookmarks und feedly verwende, kann ich in Sachen Pinterest keine eigenen Erfahrungswerte beisteuern. Ist wie ein riesiger Ottokatalog für mich, gemischt mit Etsy und über Sonnenuntergänge geschriebene Sprüche über Liebe und Fernweh. Klar ist verständlich, dass Pinterest jetzt auch andere Zielgruppen erschließen möchte, aber im Grunde ist das gar nicht nötig. Eine so klar definierte Zielgruppe, wie sie bei Pinterest vorzufinden war und teilweise noch ist, suchen Advertiser doch gerade. Bis vor Kurzem wusste man noch genau, wen man dort erreicht. Bald ist es verwaschener.

Frau vor Pinnwänden mit Sammlungen

Wenn eine Pinterestpinnwand wirklich wäre

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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