Wie prüft Google Linkkauf?

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Da es für Webmaster, SEOs und Linkbuilder ein immens wichtiges Thema ist will ich über den Risikofaktor Linkkauf schreiben. Denn wenn man mit nur 3 bis 50 guten Backlinks das eigene Ranking soweit verbessern kann, dass man auf Seite 1 der SERPs (= Suchergebnisseiten) landet, dann fragt man sich doch “ja warum nicht? Das merken Suchmaschinen doch nie, ob die paar Links eingekauft wurden oder organisch entstanden sind.” Aber Vorsicht bei Linkkauf, denn Google ist nicht doof und kontrolliert mit Filtern.

Es übrigens genauso schlecht, wenn man zwar selbst nicht für die Verlinkung bezahlt aber auf eigenen Websites Linkplätze für Geld anbietet. Grundsätzlich sind alle sichtbaren Kennzeichen, die wir als Menschen erkennen können auch für die Suchmaschinen kein Problem. Kauflinks gibt es zuerst einmal in zwei Varianten: selbst eingebundene gekaufte Links und automatisch eingebettete Kauflinks.

Automatisch eingebundene Kauflinks erkennen

Linkbörsen wie Teliad und Linklift bieten Webseitenbetreibern PHP oder JavaScript Snippets an, die man einmalig im Quellcode integrieren kann. An dieser Stelle werden auf der Webseite anschließend automatisch Links angezeigt, die über die Kaufportale gebucht und bezahlt worden sind.

Liest die Suchmaschine den Quelltext und kommt an die Stelle an der die Snippets stehen,  findet sie nur fertig kompilierten HTML Code. Dynamisch eingebundene Bezahllinks sind so allein vom Source code her nicht zu erkennen. Oftmals sind solche Linktausch- und Linkkaufbereiche aber durch eine HTML Kommentierung markiert um die Stelle schneller zu finden. (Absatz ist jetzt korrigiert. Siehe Kommentare.)

Wahlweise kann der Publisher, also der Webseitenbetreiber, der die Links einbindet, jede Buchung manuell bestätigen beziehungsweise ablehnen. Aber manche Services nehmen einem diese Arbeit auf Wunsch auch ab und entscheiden selbst, welche Links angezeigt werden. Dabei kann es also vorkommen, dass völlig themenfremde Webprojekte verlinkt werden. Auch so ein Themenmix in einer Linkliste oder im Footer ist ein Zeichen für gekaufte Links.

Google infiltriert Linkbörsen

Sämtliche Linkbörsen die Anbieter und Publisher (= Veröffentlicher) nicht anonym führen sind einfaches Spiel. Google infiltriert diese Linkbörsen natürlich. Sie wären schön blöd, wenn sie es nicht täten, denn einfacher geht es wirklich nicht. Man durchstöbert einfach alle Angebote und hat eins zwei drei hundert Linkverkäufer und Linkplatzanbieter gefunden.

Paid Links erkennen durch Umgebungstext

Man sieht sehr häufig einen großen Fehler, der eigentlich sehr einfach zu vermeiden wäre. Paid Links lassen sich ganz einfach erkennen, wenn der Webseitenbetreiber dumm unvorsichtig genug war und einen enttarnenden Umgebungstext gewählt hat.

Linklistenüberschriften

Schon einmal eine Seite gesehen, die am Rand, meist ganz unten, eine Linkliste führt, die die Überschrift “Partner” trägt? Hier handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um Verlinkungen die man für monatliche Bezahlung eingefügt hat. Alternativ heißen diese Linklisten Headlines “Werbung” oder sogar “Linkpartner”. Selbst die Überschrift “Empfehlungen” wirkt nicht ehrlich gemeint und Suchmaschinen erkennen das bestimmt ebenfalls.

Gar kein Umgebungstext

Lose aufgelistete Verweise auf fremde Webseiten sind wahrscheinlich auch gebuchte paid links. Wenn man auf seiner Webseite eine andere freiwillig verlinkt, schreibt man normalerweise dazu, warum man hier dem eigenen Leser den Besuch auf dem anderen Portal empfiehlt. Ist also gar kein Umgebungstext vorhanden und sind dann die Weblinks auch noch thematisch unpassend (Kredit, Immobilien, DVD-Shop,..) bezahlt hier vermutlich jemand für die Nennung seiner Webseite.

Keywords im Umgebungstext

Paid Links mit Umgebungstext erkennt man auch sehr einfach daran, ob der Umgebungstext natürlich wirkt, oder wie eine Bewerbung der verlinkten Webseite. Kommt das Thema der Webseite auf die verwiesen wird, in den Sätzen vor und nach dem Link mehrmals vor und wirkt der Satz dadurch irgendwie gekünstelt oder sogar richtig spammy, wird es wohl auch ein gekaufter Inlink (= Link innerhalb eines Textes) sein.

Unterschiedliche Sprachen

Mir ist oft aufgefallen, dass deutschsprachige Exact Match Keyword Anchors (lol@Begriff) in oder am Ende von englischsprachigem Content stehen. Das passiert, wenn man toolgestützt Links baut, oder halbautomatisch umgeschriebene Texte in eigens dafür vorgesehene Netzwerke einspeist. Auch habe ich solche “Arbeiten” schon von indischen und sogar amerikanischen SEO-Anbietern abgeliefert bekommen. Die schlimmsten Beispiel bestanden aus ca. 350 Worten Fließtext in englischer Sprache, völlig ohne Absätze oder sonstige Formatierungen und ganz am Ende standen ohne in einen Satz integriert zu sein die exakten Worte, für die ich ranken wollte, verlinkt zu meiner Seite. Sowas konnte man sofort wieder löschen lassen oder heutzutage eben disavowen.

Themenfremde Links meist gekauft

Manche Webmaster setzen auf all ihren Seiten auch Links zu ihren anderen Projekten. Sind die Projekte nicht auf der selben IP-Adresse gelagert, mag das sogar etwas bringen, aber wie man nach ein paar Tagen als SEO wissen sollte, ist Themenrelevanz ein wichtiger Qualitätsfaktor für Verlinkungen.

Da eine natürlich gewachsene (ich möchte nicht sagen “seofreie”) Webseite gemacht worden ist, um den Besuchern einen Mehrwert an Informationen zu bieten, wird normalerweise auch nur auf andere Webseiten verwiesen, wenn diese thematisch weiterführen, das Seitenthema vertiefen oder alternative Meinungen dazu anbieten.

Findet man auf Webseiten mitten im Text also total themenfremde Links, sind diese aller Wahrscheinlichkeit nach gekauft oder zumindest zur PageRank Steigerung getauscht worden.

Platzierung

Die Platzierung der Links kann ebenfalls Aufschluss darüber geben, ob sie freiwillig gesetzt wurden. Welcher Webseitenbetreiber, der eine Themenwebseite online gestellt hat, empfiehlt andere Websites in seinem Footer (= Webseite ganz unten)? Normalerweise sind dort eher Links, die der User gar nicht sehen soll. Und wenn der User Links nicht sehen soll, für wen sind sie dann wohl überhaupt eingebettet worden? Na für Suchmaschinen, allen voran Google und die PageRank Bewertung.

Entwertung durch nofollow Attribut

Gekaufte Verlinkungen sind normalerweise gesetzt worden um den PageRank und die Linkpopularität zu steigern. Würde man sie durch das rel=nofollow Attribut entwerten, wären sie lediglich dazu nütze, Besucher auf das Ziel zu leiten und damit Traffic weiterzugeben. Sind also Links im Footer, wo kein Mensch mehr nach weiteren empfohlenen Seiten sucht nicht durch nofollow entwertet, so ist das ein Zeichen für Linkkauf oder -tausch, der Linkjuice vererben soll.

Versteckte Verlinkungen


Verlinkungen die dem Seitenbetreiber eher unangenehm sind, auf der er aber zum Zwecke der Monetarisierung nicht verzichten möchte, wird er unter Umständen verstecken. Um solche versteckten Verlinkungen zu erzeugen könnte er die Linktexte in der Hintergrundfarbe der Webseite einfärben. Das etwas umtriebenere Äquivalent sind Blindgrafiken, also zum Beispiel durchsichtige oder wie die Hintergrundfarbe gefärbte Bilder die mit externen Links verknüpft worden sind.

Auch ist es mir schon untergekommen, dass Satzzeichen verlinkt wurden, also einfach ein Punkt oder ein Komma. Ebenso gibt es Verlinkungen mit gesicherten Leerzeichen.

Über Cascading Style Sheet Deklaration und entsprechende Anweisungen lassen sich die Linkblöcke oder einzelne Verknüpfungen aus dem Anzeigebereich verschieben. Die Position der Texte oder Container wird einfach so viele Pixel nach außen gerückt, dass kein Monitor sie mehr anzeigen könnte. Google kann allerdings CSS lesen und verstehen und würde solchen Betrug bemerken. Besonders auffällig ist auch die CSS-Eigenschaft “display:hidden;.

Gastartikel

Kurzzeitig wurden Ende 2013 verstärkt Gastartikel “getauscht” bzw. eingekauft. Einige Suchmaschinenoptimierer dachten, so  ihre dofollow Linkplätze rechtfertigen zu können. Doch Matt Cutts, Chef vom Google WebSpamTeam erklärte, dass auch diese Art von Linktausch/-kauf zur Entwertung oder sogar zu einer Abstrafung führt. Doch keine Angst! Er präzisierte kurz darauf, dass es in vielen Fällen doch okay sei, Links in Gastartikeln unterzubringen. Alle offiziellen Aussagen dazu hier (englisch).

Zusammenfassung: Linkkauf erkennen

  • Überschriften wie “Partner” oder “Werbung”
  • Linklisten mit völlig themenfremden Zielseiten (Kredit, DVD-Shop, Weinhandel)
  • kurze Umgebungstexte mit auffallend starker Verwendung der keywords
  • Footerlinks
  • versteckte Links (durch CSS aus dem Bildschirm geschubste Texte)
  • Kommentare im Quelltext die Linktauschstellen ankündigen
  • öffentliche Linkbörsen

Ich glaube jeder kann bezahlte Verlinkungen erkennen wenn er die Augen offen hält. Linkkäufe kann man übrigens bei Google melden. Warum man das machen sollte? Vielleicht um dem Wettbewerber eins auszuwischen. Keine Ahnung; viel Spaß beim Seitenbauen und passt auf Eure starken Projekte auf! Tests und Linkkauf solltet Ihr wirklich nur auf unwichtigen Projekten vorantreiben, wenn überhaupt.

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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