WolframAlpha vom Wolf zerrissen

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Nun ist die neue Suchmaschine noch 2 lange Monate offline und wird schon stark gehyped. Die wenigen Fakten werden überall mit Vermutungen und Ideen vermengt, dass jeder der von einem Dritt- oder Viertblog davon erfährt in seinem eigenen Artikel diese Andichtungen als bare Münze veröffentlicht.

Jetzt weiß ja keiner mehr, ob die Suchmaschine nun Crawler los schickt, oder ob rund um die Uhr Mitarbeiter im ganzen Internet Daten sammeln und diese bewerten. Letzteres trifft laut Entwicklerblog übrigens zu.

I realized there’s another way: explicitly implement methods and models, as algorithms, and explicitly curate all data so that it is immediately computable.

“To curate” heißt “kuratieren” und das wiederum heißt “Eine Sammlung betreuen“.

Was mich wirklich brennend interessiert ist: Wie finanziert sich WolframAlpha und warum hat man einen so langen Namen gewählt? Ändert sich dieser nach der Betaphase in Wolfram? Dann werde ich den Praktikanten in Zukunft durchs Büro zurufen: “Das wolframst Du am besten schnell!”

WolframAlpha vom Wolf zerrissen

Manche sind sich nicht sicher, andere behaupten es würden nur errechnete Ergebnisse in Form einer eben frisch für den Suchenden geschriebenen Wiki angezeigt aber auf Links zu den Quellen verzichtet. Das hätte die Folge, dass von WolframAlpha keine Besucher kommen, die eigenen Inhalte allerdings für einen externen Dienst, nämlich den der Übersuchmaschine, genutzt werden würden. Ist ja auch nicht ganz legal, außer man hat die Möglichkeit die Crawler von den eigenen Seiten auszusperren. Aber wie sperrt man menschliche Datensammler aus?

Nun wird die neue Suchmaschine sowieso keine Suchmaschine im Google-Sinn sein. Wenn man “Pizza München” eingibt, werden wahrscheinlich keine Karten an oberster Stelle stehen, die einem die wichtigsten Pizzarestaurants in Bayerns Hauptstadt zeigen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Suchmaschine wohl lange Zeit nur in englischer Sprache funktionieren wird.

Wolfram|Alpha ist mehr als eine Art Lexikon anzusehen, das man nicht durchblättern muss, wie Wikipedia um dann eine ellenlange Infoseite zu erhalten, sondern ein Nachschlagewerk das einem genau die Stelle zitiert, die man recherieren wollte.

Googlehasser und Googlefans

Die zwei genannten Gruppen gehen sich ja sowieso jedes Mal an die Gurgel, wenn Tante G einen neuen Dienst anbietet, bei dem persönliche Daten Grundstock für Leistungen sind. Diesmal wird extern gefochten, weil diesmal “endlich” die Googlehasser ein bisschen Zündstoff zugesteckt bekommen haben. Offizielle Medien springen auf den bei twine losgerollten Zug auf und schreiben lauthals, es wäre ein Googlekiller vor den bunten Stadttoren aufgetaucht. Mich stört dabei die Behauptung, dass Stephen Wolfram diesen angekündigt hätte. So schaukeln sie etwas hoch, das für die einen Lichtblick in einer Zeit voll dunkler Angst vor Datenmissbrauch durch eine zu mächtig gewordene Garagenfirma geworden ist und für die anderen gefundenes Fressen ist. “Haha, wer will sich mit meinem Lieblings-Onlinedienstleistungspool anlegen?” Dabei sind doch die Ansätze ganz andere und deshalb darf man die Leistungen der beiden Suchdienste Google und Wolfram|Alpha auch dann nicht miteinander vergleichen, wenn letztgenannter Dienst endlich online ist. Ich wiederhole: in frühestens zwei Monaten für den englischsprachigen Raum.

Mit den Infos aus Stephens Firmenblog und der Lobeshymne von Twine, einer Firma die ebenfalls semantische Wissensdatenbanken erschaffen will und sich mit dieser Meldung ordentlich Gehör für eigene Leistungsbekundungen verschafft, werden gerade mehr als tausend mal so viele Seiten gefüllt. Die Informationsverfielfältigung Blogauswürfe sind so glaubwürdig wie Jesus von Nazareth, der aus fünf Fischen und Broten genug zu Essen gezaubert hat, dass bis über die Berge hinweg die Leute davon satt geworden sind und feierten. Leider sind wir noch nicht satt. Beispiele zeigen, es wäre auch sachlicher gegangen. Und kürzer ;)

Wenn mich die Lufthansa am kommenden Dienstag wieder in weißblauen Landen absetzt, werde ich nach einer Woche ohne Internet gespannt prüfen, wie sich die Fiktions-Informationsflut bis dahin entwickelt hat. Bis jetzt wird die vielleicht sehr nützliche Ergänzung zu den momentan angebotenen Alternativen regelrecht von den Wölfen zerrissen. Am meisten bin ich gespannt, wie sehr sich die Lager noch weiter teilen und welche Fakten von den Entwicklung nachgereicht werden. Toll wäre es einmal von einem zweiten Betatester zu lesen. Kennt Ihr noch wen?

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+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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