Impressumspflicht: Serverstandort Ausland

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Suchmaschinenoptimierer, Webseitenbetreiber und die Verwalter von Webseiten anderer fragen sich oft:

Brauche ich ein Impressum auf meiner Website wenn der Server im Ausland steht, zum Beispiel in der Schweiz, oder in Holland. Oder kommt es auf die Top Level Domain an?

Das ist für Adult Site Betreiber interessant, ebenso für Betreiber von Linknetzwerken, die sie anonym führen möchten.

Impressumspflicht: Serverstandort Ausland

Wenn man auf das Impressum verzichten möchte, darf man keinen Dienst auf der Webseite anbieten, streng genommen nicht einmal reine Information. Die Erhebung von Daten via Trackingtools und Analysesoftware bedarf einer eigenen Regelung, auf die ich nicht eingehe.

Einleitung: Impressumspflicht

Grundsätzlich muss auch das private Blog ein Impressum enthalten. Impressumspflicht besteht in Deutschland nämlich wenn man eine Seite geschäftsmäßig betreibt. Bitte nicht mit „gewerblich“ verwechseln. Geschäftsmäßig heißt einfach, dass man möchte, dass irgendjemand die Inhalte nutzt. Das schließt natürlich auch das Lesen meiner Blogartikel mit ein, oder das durchklicken meiner Reisefotogalerie. Also in Deutschland benötigt man in 98% aller Fälle ein Impressum. (Impressumspflicht nach § 55 Abs.1 RstV)

Die Ausnahme für private Webseiten wird meistens falsch verstanden. Impressumspflicht besteht nur dann nicht, wenn man Informationen bereit stellt, die für die meisten Menschen völlig uninteressant sind. Sobald man aber zum Beispiel im Privaten Blog erwähnt, dass man in einem bestimmten Hotel war, eine gewisse Ortschaft angesehen oder irgendein Produkt konsumiert hat, fällt die Ausnahme weg und man ist zur Angabe seiner Daten (Verlinkung zu http://www.agb-leitfaden.de/Impressum_Auszug55RStV.htm entfernt; Ziel nicht mehr erreichbar) verpflichtet. (§ 55 Informationspflichten und Informationsrechte)

Domainabhängige Unterschiede

Gibt es von der Top-Level Domain abhängige Unterschiede bei der Pflicht ein Impressum zu verwenden? Nein und zwar aus dem Grund, den ich im übernächsten Absatz schildern werde.

Serverstandort entscheidet über Impressumspflicht

Das stimmt nicht. Man muss ein Impressum unter gewissen Umständen auch einstellen, wenn der Server in Afrika, Russland oder der Schweiz steht. Der Serverstandort Schweiz schützt Webseitenbetreiber nicht vor der Datenfreigabe.

Wann brauche ich ein Impressum?

Whois Record Holder Admin-C Wie gesagt sind auch andere Domainendungen und Serverstandorte im Ausland keine Freifahrtscheine, die Impressen (= Pluralform) unnötig machen. Man braucht ein Impressum, wenn der inhaltlich Verantwortliche seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Bei .de-Domains gilt sowieso, dass man mit einer Anschrift in Deutschland als sogenannter Admin-C bei der DENIC hinterlegt ist.

Dieser Admin-C ist bei der DENIC ist der offizielle Ansprechpartner. Gehört die Domain einem nicht selbst, aber ist man als Admin-C hinterlegt, so ist man berechtigt und verpflichtet, alle Angelegenheiten verbindlich zu entscheiden, die die Domain betreffen. Man ist Bevollmächtigter und zwar vom Domaininhalber selbst, als natürliche Person. Das nennt man das Herkunftslandprinzip. (§ 3 TMG)

Wohnt man im Ausland aber möchte eine .de-Domain betreiben, benötigt man als Admin-C eine in Deutschland wohnhafte Person. Sobald der Serverstandort in Deutschland ist, kann außerdem der Hoster nach dem deutschen Gesetz dazu verpflichtet sein, Deine Domain zu sperren, Deine Inhalte unerreichbar zu machen und so weiter. Denn der Gerichtstand eines deutschen Providers ist natürlich in Deutschland.

Fazit:

Um also keiner Impressumspflicht zu unterliegen, darf man keine .de Domain betreiben wollen, muss selbst im Ausland den Hauptwohnsitz haben und braucht ein Webhosting außerhalb des deutschen Rechtsgebietes. Und selbst dann können natürlich Inhalte, die nach deutschem Recht illegal sind gesperrt werden, auch schon jetzt, ohne die noch nicht eingeführte Netzsperre. Wenn es noch Anmerkungen gibt, nehme ich diese gerne auf. Meine Zusammenfassung habe ich in meiner Eigenschaft als interessierter und ambitionierter Webseitenbetreiber erstellt und hier veröffentlicht. Ich habe kein Rechtsstudium und behaupte deshalb nicht, dass meine Ausführungen richtig sind. Ich vermute es aber. 🙂


+Benjamin Wingerter ist Inhouse-SEO und Affiliate seit 2008. Er hat zwei Steckenpferde: Conversion Rate Optimierung und Suchmaschinenoptimierung. Seit 2011 spricht er auf Fachkonferenzen, wie der SEO Campixx.

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13 Responses to “Impressumspflicht: Serverstandort Ausland”

  1. Alexander Larsson

    14. Aug 2015

    Vielen Dank fuer den Artikel. Durchaus, wie auch von anderen Kommentatoren erwähnt, funktioniert die Internetwelt in anderen Ländern auch ohne Impressumspflicht. An und fuer sich ist die Impressumspflicht ja nicht schlecht, es ist nur schade, was dabei wieder herausgekommen ist. X-fache Websitebetreiber oder die auf dem Weg sind, solche zu werden, widmen einen unangemessenen Teil der Arbeitszeit diesem Thema aufgrund der Abmahnungsauswuechse. Um die Abmahnungskrake zu stoppen, gibt es dann wieder Regulierungsversuche.

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  2. SEOux Indianer

    30. Sep 2009

    Hi harley, wenn Du den deutschen Markt mit Deiner Domain erreichen möchtest, benötigst Du ein Impressum.

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  3. harley

    30. Sep 2009

    hallo leute,

    ich habe eine site ins netz gestellt auf der ich verschiedene produkte (aus deutschland) vergleiche. die domain ist „.com“ und ich wohne in spanien. muss ich ein impressum auf die site stellen ????

    hab mir jetzt schon sau viele gesetzestexte durchgelesen und werd einfach nicht schlau draus ….

    hoffe ihr könnt mir aus dem wirr-warr raushelfen 😉

    n gruss

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  4. Rieke

    31. Aug 2009

    nunja, ich würde ja sagen … für den Otto-Normal Anwender wie… meine Mammi, mein Pappi, da ist es noch recht wichtig das es ein Impressum giebt, damit sie wissen an wen Sie sich wenden können wenn etwas nicht stimmt… die wissen nicht was ein Whois ist und müssten wirklich gleich zum Anwalt um eine Adresse raus zu finden.

    Aber ansonsten gebe ich Jan recht. Vor allem wenn zu sehen ist, das es wirklich nur „Formfehler“ sind  weswegen dann geklagt wird, sprich der Webseiten Betreiber sich alle Mühe gegeben hat und am ende doch  die Abmahnung kommt, weil es mit Mühe und Detail Gesetzes-Text-Wissen „möglich“  war einen Fehler in deinem Impressum zu finden.

    Aber solange unser Land von Menschen Schein-Regiert wird (ich halte Politiker eh für Marionetten der Wirtschaft ) die sich die eingegangenen E-Mails ausdrucken und auf den Tisch legen lassen… wird sich daran auch nichts ändern.

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  5. Jan

    30. Aug 2009

    Wem nützt die Impressumspflicht eigentlich wirklich? Gibt es deswegen weniger Betrug im Internet? Wenn dem so wäre, müsste es ja in den USA Betrug ohne Grenzen geben, so dass die Leute online gar kein Geld mehr ausgeben. Die Realität ist eine andere.
    Die Impressumspflicht nutzt einzig und alleine der Abmahnmaffia rund um die Looser Anwälte, zu denen freiwillig kein Klient kommt und die sich als virtuelle Wegelagerer tätigen müssen.
    Das Ganze wird durch eine praktisch nicht vorhandene Internet Gesetzgebung in Deutschland noch verstärkt, bei dem die Judikative in Form von renteüberfälligen Amtsrichtern den Job macht, den die Legislative bisher nicht geschafft hat zu erledigen.

    Es ist ja auch nicht so, dass man durch einen Whois Guard einen Freifahrtschein hat, zu Tun und Zu lassen was man will. Rechtsorgane können auch weiterhin bei den Registraren Kontaktdaten bekommen.

    Aber die Situation rund um die Impressumspflicht und die immer weniger ausgeglichene Waagschale zugunsten des absoluten Verbraucherschutzes und einem fast gar nicht vorhandenen Anbieterschutzes macht den Standort Deutschland für Onlinegeschäfte immer unattraktiver und die Meinungsfreiheit ist eh fast kaum noch vorhanden.

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  6. Chris

    22. Aug 2009

    Jaja, die Impressumspflicht. Ich finde den Zwang prinzipiell bedenklich. Wer tatsächlich mit irgendeiner Gewinnerzielungsabsicht eine Webseite unterhält, wird in der Regel freiwillig auch seine Kontaktdaten veröffentlichen, man will ja normalerweise dann auch selbst erreichbar sein.

    Bei privaten Seiten empfinde ich die Impressumspflicht als unangemessen und als Einschränkung der Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechte, Beispiel: wenn ich privat blogge, will ich vielleicht nicht, dass alle Welt weiss wo ich wohne. Wer über politische Themen oder vielleicht Krankheit, Abnehmen, Depressionen oder ähnliche Themen bloggen will, darf nach deutschem Recht nicht anonym bleiben. Und das ist falsch.

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  7. Sensei

    22. Aug 2009

    Sehr schöner Artikel, ist ein Thema mit dem ich selber auch gerade beschäftigt habe 😀

    Bei mir stellt sich aber eher die Frage, wie ich verfahre wenn das komplette Projekt auf English läuft und ich nen Disclaimer einbaun will. Logischer Weise müsste der ja auf Englisch sein damit die User das verstehen, aber ich muss mich an deutsche Gesetzte usw halten, weil ich hier wohne.

    Finde das mit dem Impressum merkwürdig geregelt hier in Deutschland ….

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  8. Mark

    22. Aug 2009

    Ja, das mit der Impressumspflicht ist immer so eine Sache. Grundsätzlich sollte immer ein Impressum vorhanden sein, denn wer einen Abmahngrund sucht, wird ihn auch auf einer privaten Seite finden.

    Wer eine Seite zu einem Thema betreibt, dass sich eventuell in einer Grauzone befindet und aus diesem Grund nicht mit seinem Namen in Verbindung zu diesem Projekt stehen möchte, dem machen es ja diverse Hoster aus der Türkei oder Amerika mit Ihren Offshore Hosting Paketen mit Whois Privacy trotzdem sehr einfach anonym eine Seite ins Netz zu stellen und so ein Impressum außer Acht zu lassen.

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  9. SEO Scene

    20. Aug 2009

    Jetzt verstehe ich, warum der ein oder andere SEO Deutschland verlassen hat 😉

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  10. Alexander Klaus

    20. Aug 2009

    Pflicht besteht also, doch wenn man wirklich eine Seite ohne Impressum vertreiben will, gibt es dafür auch Wege.
    Ein Server inklusive WhoIs-Schutz im Ausland bei Anbietern, welche nach deren Recht keine Daten herausgeben oder sperren müssen wäre ein solcher Weg. Wie sonst könnten Portale wie Youporn so lange erfolgreich Anonym betrieben werden.
    Was das für Anbieter sind lässt sich ja ganz leich googlen 😉

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  11. Heiko

    19. Aug 2009

    Vielen Dank für den schönen und informativen Artikel 🙂
    Interessant wäre jetzt noch die Frage gewesen (wenn du schon dabei bist), wie das Impressum eingebunden werden muss/sollte.
    Also ob es z.B. so wie bei dir ausreicht (Impressum nur über weiteren Klick nach Kontakt zu erreichen) oder ob das Impressum (wie Datenschutzbestimmungen) jederzeit von jeder Seite aus erreichbar sein muss…
    Eine Aufführung WIE dann das Impressum auszusehen hat, wäre wohl zu viel verlangt, aber die obige Übersicht finde ich schon wirklich sehr gut gelungen.
    Wobei für mich aber ein Impressum grundsätzlich eine Pflichtangabe ist. Seiten ohne Impressum sind mir einfach suspekt und ich hoffe eigentlich auch, das sich in Zukunft dahingehend innerhalb der EU oder gar weltweit entsprechende gleiche Regeln für die Impressumspflicht finden lassen.

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